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Internet? Aber sicher!

Dieser Artikel soll an ein Thema heranführen, das bei der Arbeit mit neuen Medien in der Schule allgegenwärtig ist: Jugendmedienschutz. Der Artikel kann nur einen kurzen Abriss zu der Thematik bieten und will Impulse zum Umgang mit dem Thema Jugendschutz geben. Eines vorneweg: Gefährdungen können und dürfen nicht nur mittels technischer Vorkehrungen umgangen werden, sondern es bedarf flankierender pädagogischer Maßnahmen, durch die Jugendliche präventiv für die Thematik sensibilisiert werden und durch die aktiv, im Falle konkreter Gefährdungsmomente, von Seiten der Lehrkraft eingegriffen wird. Hierfür ist nach unserer Ansicht ein Dreischritt notwendig: Wissen um die Gefahren – Erkennen derselben – Handeln (präventiv oder im konkreten Gefahrenfall).

gefährdungsmomente

Gefährdungsmomente

 

Gerade im Zusammenhang mit Computerarbeitsplätzen in der Schule kommt dem Thema Jugendmedienschutz eine wichtige Bedeutung zu. Gefährdungsmomente sind vielfältig – die Bandbreiten reichen von jugendgefährdenden Inhalten über Desinformation bis hin zu Gefahren für Persönlichkeitsrechte.

Gefährdende Inhalte sind – im Vergleich zur früheren Verbreitung über Print- und AV-Medien – über das Internet überall, jederzeit und schnell verfügbar. Darstellungen von Gewalt, Pornographie und Propaganda können auch von Heranwachsenden abgerufen werden, ohne dass Zugangshürden (Altersverifikation über Händler, Videothekenbetreiber, etc.) überwunden werden müssen. Dadurch finden Themen und Bilder Einzug in die Köpfe junger Menschen, die dort oft schwer verdaulich sind.

Nicht jedem Medienrezipienten ist klar, dass nicht alles, was im Internet geschrieben steht, für bare Münze genommen werden darf. In den abstrakten Bereich der „Medienkompetenz“ gehört die Fähigkeit, die Qualität von Informationen und Informationsquellen zu bewerten. Desinformation, beispielsweise durch ideologische Rattenfänger, kann nur dann gedeihen, wenn sie nicht hinterfragt wird.

Im (medien-)pädagogischen Handlungsfeld geht es häufig auch darum zu vermitteln, wie Informationen kritisch zu hinterfragen sind. So scheint beispielsweise ein Artikel in Wikipedia zunächst unverdächtig, weil er aus DEM Lexikon der digitalen Welt entnommen wird. Hinter dem Artikel stehen aber manchmal Autoren, die Interessen verfolgen, die sie in ihrem Artikel zum Ausdruck bringen.

Ein bisweilen vernachlässigter Aspekt des Jugendmedienschutzes ist der Bereich der Persönlichkeitsrechte. Persönliche Daten, die im Internet eingegeben werden, können von anderen eingesehen und auch missbraucht werden. Die Datensammelwut “sozialer Netzwerke“, wie Facebook und Konsorten sind nur ein Beispiel dafür, wie die vermeintliche Anonymität im Internet so gut wie nicht existent ist. Das Internet „vergisst“ nichts. Im Unverstand eingestellte Bilder einer wilden Party könnten Jahre später für einen Personalchef Ausschlag gebend sein, die Stelle mit einem anderen Bewerber zu besetzen.

Viele Schüler sind in Portalen wie „SchülerVZ“ oder „SpickMich“ unterwegs. Aus den sozialen Netzwerken hört man zunehmend asoziale Umtriebe. So wird immer wieder davon berichtet, dass Schüler online gemobbt werden. Die Betroffenen sehen sich mit Beleidigungen konfrontiert. Bilder werden verfremdet und online gestellt, teilweise tauchen Videos im Netz auf, in dem Schüler von anderen gequält werden.

Nicht nur beim „Cybermobbing“, sondern auch bei anderen Aktivitäten befinden sich Internetnutzer schnell auf rechtlichen Abwegen. Angesagte Musikalben finden ihren Weg auf den eigenen MP3-Spieler, aktuelle Filme werden heruntergeladen und auf dem Schulhof getauscht. Häufig wird hierbei das Urheberrecht missachtet.

Schließlich sollen noch ein paar Worte über soziale Auswirkungen von neuen Medien geschrieben werden. Hier seien vor allem die Begriffe Vereinsamung und Suchtverhalten genannt. Das Internet bietet aufgrund seiner bidirektionalen Kommunikationskanäle, bei denen Anwender zugleich Konsumenten als auch Produzenten von Informationen sein können, zwar die Möglichkeit, direkt mit anderen zu interagieren, und soziale Kontakte zuknüpfen, aufrecht zu erhalten und zu vertiefen. Andererseits birgt die Computernutzung auch die Gefahr, dass sich Anwender in virtuellen Welten verlieren.

maßnahmen

Maßnahmen

 

Bevor wir uns Beispielen für Maßnahmen zuwenden, sollten wir uns eines vergegenwärtigen: Es ist kein 100%-iger Jugendschutz möglich! Wenn ein Schutzfilter erfolgreich in der Schule eingesetzt wird, dann gibt es immer noch genügend Einfallstore: Schnell finden unerwünschte Inhalte via USB-Sticks, CDs,usw. ihren Weg auf die Tauschlaufwerke eines Schulnetzwerkes. Handys und andere mobile Geräte tun ihr übriges. Doch heißt es keinesfalls den Kopf in den Sand zu stecken und zu verzagen: In der Schule kann einiges getan werden, damit ein sinnvoller Umgang mit neuen Medien stattfinden kann.

Als Betreiber eines schulischen Netzwerkes sieht man sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, mit Filtern fragwürdigen Inhalten zu begegnen. Im Rahmen der paedML kann dem Wunsch nach einem sauberen Schulnetz dadurch entsprochen werden, dass unerwünschte Seiten in sogenannte Blacklists eingetragen und so vom Proxy des Netzwerkes ausgefiltert werden. Unerwünschte Formate (z.B. mp3-Dateien) können ebenfalls häufig vom Proxyserver des Schulnetzes zurückgehalten werden.

Die rasante Entwicklung von Internetangeboten macht es jedoch schwierig die Filter immer aktuell zu halten. Früher hieß es, dass nichts so alt ist wie die Tageszeitung von gestern. In Zeiten, in denen Tageszeitungen von Onlineplattformen verdrängt werden, kann dieser Spruch auf Jugendschutzfilter übertragen werden. Eine Blacklist von gestern ist veraltet, da sie die heute neu angebotenen Seiten nicht kennt. Es ist also ständig notwendig die Filter zu aktualisieren, was beispielsweise beim IPCop der paedML Linux automatisiert werden kann.

Damit der Netzwerkadministrator nicht den ganzen Tag seine Blacklisten pflegen muss, gibt es Alternativen in Form von Proxy-Servern, die vor das Schulnetz geschaltet werden können. Ein Angebot, dass in diesem Zusammenhang empfohlen werden kann, ist der Jugendschutzfilter von BelWü.

Neben dem Filtern von Inhalten besteht in der Schule die Aufsichtspflicht, deren Inhalt es ist, Schüler vor Schäden zu bewahren und von Schülern ausgehende Schäden zu verhindern. Die Aufsichtspflicht kann zum Beispiel durch eine Anordnung der Bildschirme im Computerraum, die es den beaufsichtigenden Lehrern ermöglicht, die Tätigkeiten der Schüler zu überwachen, umgesetzt werden. Im Fall von Regelverstößen seitens der Schüler kann schnell eingegriffen und gegebenenfalls Sanktionen verhängt werden.

In den Multimedia-Empfehlungen des Landes Baden-Württemberg ist ein Beispiel einer Nutzungsordnung für Computereinrichtungen an Schulen zu finden. Mit einer solchen Nutzungsordnung können die Schüler explizit darauf hingewiesen werden, welche Regeln für die Benutzung der Computerräume gelten. Regelverstöße können so leichter geahndet werden, da sinnlose Diskussionen der Vergangenheit angehören.

konsequenz? medienkompetenz!

Konsequenz? Medienkompetenz!

 

Nicht nur technisch sondern gerade auch pädagogisch sollte das Thema Jugendschutz in der Schule behandelt werden. Das beste Filtersystem bleibt ohne Wirkung, wenn gefährdende Inhalte andere Wege auf den Schulhof finden. Bewahrpädagogische Ansätze bringen wenig Erfolg, solange Heranwachsende an anderen Orten mit Gefährdungen konfrontiert werden können. Um Jugendliche zu stärken, muss – auch wenn es inzwischen abgegriffen klingen mag – Medienkompetenz gefördert werden. Einen Überblick über diesen Begriff finden Sie unter anderem im Portal von Mediaculture Online.

Unter Medienkompetenz soll in diesem Kontext vor allem die kritische Medienrezeption verstanden werden. Dadurch können Schüler für Gefährdungen sensibilisiert werden.

Die Thematisierung gefährdender Inhalte schafft ein Klima, in dem die Akzeptanz für menschenverachtende Darstellungen abnimmt. Jugendliche können darin bestärkt werden ein Unrechtsbewusstsein aufzubauen und im Diskurs mit Gleichaltrigen ihre „moralisch guten“ Positionen zu vertreten.

Die Bewertung von Informationen ist ein ungleich komplizierterer Themenkomplex. Ein aus dem Deutschunterricht bekanntes Unterrichtsmodul „Zeitung in der Schule“ mag hier Pate stehen für den Umgang mit verschiedenen Informationsquellen und das Erlernen, diese miteinander in Beziehung zu setzen.

Die Notwendigkeit persönliche Daten zu schützen, ist einfacher zu vermitteln. In diesen Bereich gehört neben dem Hinweis sich doch besser unter einem Pseudonym in sozialen Netzwerken oder Chaträumen zu bewegen, auch das Erlernen sicherer Passwörter und die Frage, ob beziehungsweise wann die Eingabe von Daten in Onlineformulare wirklich nötig ist.

Es ist wichtig, Schülern rechtliche Grenzen und Konsequenzen ihrer Handlungen aufzuzeigen (z.B. Cybermobbing, Filesharing, etc.). Hinzu kommt aber auch die Notwendigkeit, Alternativen darzulegen: Wo gibt es kostenlose legale Musikalben? Wie kann der Umgang miteinander (auch im Internet) positiv gestaltet werden (Stichwort Nettiquette)?

Zum „richtigen“ Einsatz von neuen Medien gehört natürlich auch das Wissen um den verantwortungsvollen Umgang mit denselben. Früher dudelte während der Erledigung von Hausaufgaben ein Radio im Hintergrund, dann kam irgendwann die Fernsehgeneration, die zwischen Colt Sievers und den Simpsons zu lernen versuchte. Heute steht häufig ein PC im Kinderzimmer und sorgt für noch mehr Ablenkung. Jugendliche müssen lernen, wann Medien Raum und Zeit einnehmen dürfen und wann andere Prioritäten zu setzen sind. Dem sinnvollen Einsatz des Computers als Werkzeug (vielleicht vergleichbar mit Stift und Papier) steht die Gefahr gegenüber, dass das Medium als Ersatz für soziale Handlungen und Mittel der Bekämpfung von Langeweile eingesetzt wird. Auch hier gilt es Alternativen aufzuzeigen.

fazit

Fazit

 

Während früher manch einer davon ausging, dass Frauen keine Bücher lesen sollten, da sie sonst Gefahr laufen würden, dass ihnen die Gehirne überhitzen, gibt es heutzutage Zeitgenossen, die den PC als die Personifikation Satans ansehen: nur zwei von vielen kruden Theorien, die exemplarisch für den Glauben gegen den Fortschritt stehen – sollte Kulturpessimismus nicht unser Handeln bestimmen. Die Einführung neuer Kulturtechniken hat sich immer schon im Spannungsfeld von Euphorie und Ablehnung vollzogen. Ein gesundes Maß im Umgang mit neuen Medien kann und muss gefunden werden. Das Internet ist nichts anderes als ein Abbild unserer Gesellschaft, in dem die anomischen Züge derselben bisweilen offener zutage treten. Pädagogische Ziele wie Stärkung der Heranwachsenden, Emanzipation oder Lernen für das Leben können (und müssen) auch im Feld neuer Medien handlungsleitend sein. Die Schule ist ein Ort, in dem diese Ziele umgesetzt werden können.

 

Fragen zum Thema Filter können Ihnen sowohl die Schulnetzberatung als auch Ihre paedML Hotline am Landesmedienzentrum beantworten.

Im Internetportal von Mediaculture online finden Sie viele Informationen zum Jugendmedienschutz: http://www.mediaculture-online.de/Jugendmedienschutz.880.0.html

In naher Zukunft wird ein Portal des LMZ-Projektes „Medien aber Sicher“ (www.medien-aber-sicher.de) online gehen, auf dem Sie Informationen zum Thema Jugendmedienschutz finden aber auch Fragen loswerden können.

 

Roland Walter, 19. März 2009

 

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